Innovationen und Erfolg im Medizinstudium

08.11.2010

Unter der Überschrift "Innovationen im Medizinstudium" zog der Medizinische Fakultätentag (MFT) am 21. Oktober 2010 eine öffentliche Zwischenbilanz der inzwischen vollzogenen Reformen in der medizinischen Lehre. Im Mai 2010 bescheinigte das Statistische Bundesamt den Absolventen der Gruppe der medizinischen (Staatsexamen) und gesundheitswissenschaftlichen Fächer (Bachelor, Magister, Diplom) eine Erfolgsquote von 87,3 Prozent. Die Mediziner belegen unangefochten den ersten Platz in der amtlichen Statistik. Die Quote zeigt den Anteil der Absolventen, die ihr Studium erfolgreich abschließen, an den Studienanfängern eines Studienjahres. Sie ist ein Indikator dafür, wie effektiv die Fächergruppen in der Ausbildung der Studierenden sind.

 

Der Durchschnitt aller Fächergruppen liegt bei 72,5 Prozent. Medizinische Fakultäten bieten heute neben den Studiengängen "Human- und Zahnmedizin" mehr als 100 weitere Studiengänge an, die nicht zum Berufsziel "Arzt" führen. Sie sorgen somit für den Nachwuchs in unterschiedlichsten Gesundheitsbereichen. Angesichts der hohen finanziellen Anforderungen des Medizinstudiums und des Ärztebedarfs stellt sich die Frage, wie mit den knappen öffentlichen Mitteln und der Lebensarbeitszeit der Mediziner am besten umgegangen werden kann. Die Etablierung medizinnaher Studiengänge einerseits und die ungeteilte, zügige ärztliche Grundausbildung andererseits könnten die besten Optionen sein. Nach dem Medizinstudium von 6,5 Jahren ist schließlich noch eine Weiterbildung von 5 - 7 Jahren Pflicht. Eine Teilung des Medizinstudiums oder ein Teilzeitstudium würden die Zeit bis zur selbstständigen ärztlichen Berufsausübung weiter verlängern.

 

Den Gerichten in der Bundesrepublik Deutschland kommt bei der Ärzteausbildung eine weltweit einmalige Rolle zu. Gerichtsurteile haben ein Kapazitäts- und Prüfungsrecht hervorgebracht, das den Ländern und ihren Medizinischen Fakultäten ein starres Korsett aufzwingt. Aus dem Medizinstudium sollte in Deutschland auch wegen den unzähligen Gerichtsprozessen kein konsekutiver Bachelor/Masterstudiengang gemacht werden. Der mit dem Kapazitätsrecht verbundene administrative Aufwand würde sich bei zwei getrennten Studiengängen verdoppeln. Rechtsanwälte würden mit noch mehr Zulassungsklagen die Ausbildungskosten erhöhen.

 

Auch für Studienreformen werden keine konsekutiven Studiengänge benötigt, wie die Beispiele von medizinischen Regel- und Modellstudiengängen zeigen. Ein Ziel der Reformen ist der frühzeitige Patientenkontakt und gerade dafür bietet die aktuelle Ärztliche Approbationsordnung vielfältige Möglichkeiten. Damit die Studierenden optimal auf den klinisch-praktischen Teil ihres Studiums vorbereitet werden, wird heute auch mit Schauspielerpatienten und Phantomen gearbeitet.

 

Die Vorträge der Veranstaltung sind von der MFT-Homepage abrufbar.

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