Gutachterstelle für Arzthaftungsfragen: Zahl der Behandlungsfehler 2011 gesunken

12.03.2012

Die Gutachterstelle für Arzthaftungsfragen der Sächsischen Landesärztekammer hat ihren aktuellen Jahresbericht vorgelegt. Im Jahr 2011 wurden danach 253 Begutachtungen wegen eines vermuteten Behandlungsfehlers eingeleitet (2010: 243). Diesen stehen 56 tatsächlich festgestellte Behandlungsfehler gegenüber (2010: 67). Prof. Dr. med. habil. Jan Schulze, Präsident der Sächsischen Landesärztekammer: "Erfreulicherweise ist damit die Zahl der Behandlungsfehler im Vergleich zum Vorjahr um 16 Prozent gesunken. Diese Entwicklung sollte durch weitere Qualitätssicherungsmaßnahmen begleitet werden."

 

Die Rate der laut Gutachterstelle für 2011 als berechtigt erhobenen Schadensersatzforderungen war mit 21,6 Prozent der abgeschlossenen Begutachtungsverfahren etwas geringer als im Vorjahr (25,8%). 52 (2010: 64) Behandlungsfehler waren ursächlich für einen Körperschaden.

 

396 Anträge sind 2011 insgesamt bei der Gutachterstelle eingegangen. Von den 253 eingeleiteten Begutachtungen entfielen 177 auf den stationären Sektor, 25 auf Klinikambulanzen und 51 auf ambulante Praxen. 134 Begutachtungsverfahren stehen noch aus.

 

Insgesamt konnten bis Dezember 2011, inklusive Überhang aus dem Jahr 2010, 259 Anträge abschließend begutachtet werden. 99 Anträge betrafen die Fachrichtung Chirurgie, 36 die Innere Medizin, 29 die Orthopädie, 21 die Fachrichtung Gynäkologie/Geburtshilfe, jeweils neun Anträge bezogen sich auf die Allgemeinmedizin, die Anästhesiologie und die Neurologie/Psychiatrie. Acht Anträge betrafen die Augenheilkunde, sieben die Urologie, fünf bezogen sich auf die Radiologie und jeweils vier auf Kinderheilkunde und Neurochirurgie. Des Weiteren wurden drei Anträge aus dem Fachbereich Mund-, Kiefer-, Gesichtschirurgie sowie jeweils ein Antrag aus dem Bereich Nuklearmedizin und Haut- und Geschlechtskrankheiten begutachtet.

 

Die 15.569 sächsischen Ärzte behandeln jährlich circa 31 Millionen Fälle in den Praxen und 950.000 stationäre Fälle. Im Verhältnis dazu ist die Zahl der Behandlungsfehler gering. "Dennoch ist jeder Behandlungsfehler einer zuviel", so Prof. Dr. Schulze. Patienten sollten sich bei einem Verdacht auf einen Behandlungsfehler immer zuerst an die betreffende Behandlungseinrichtung und deren Haftpflichtversicherung wenden.

 

Weitere Informationen unter 0351 8267-160.

 

Hintergrund Gutachterstelle:

 

Zweck der Gutachterstelle ist es, Rechtsstreitigkeiten, mit welchen Patienten Ansprüche gegen einen Arzt wegen des Vorwurfes fehlerhafter ärztlicher Behandlung erheben, zu vermeiden und außergerichtlich zum Grunde des Anspruches zeit- und kostensparend beizulegen. Die Gutachterstelle kann nur im allseitigen Einverständnis der Parteien (Haftpflichtversicherer, Arzt, Patient) tätig werden.

 

Die Gutachterstelle kann erst angerufen werden, wenn der Haftpflichtversicherer zu dem Schadensersatzanspruch Stellung genommen hat. Der Patient muss den Arzt von der Pflicht zur Berufsverschwiegenheit entbunden haben, ebenso eventuelle weitere Ärzte, welche ihn behandelt haben. Die Gutachterstelle prüft den Sachverhalt und gibt abschließend eine begründete Stellungnahme ab, ob aufgrund einer fehlerhaften Behandlung ein Anspruch dem Grunde nach besteht.

 

Die Gutachterstelle kann, soweit erforderlich, einen weiteren Gutachter mit der Erstattung eines Zusatzgutachtens beauftragen. Die Gutachterstelle entscheidet in der Besetzung eines Vorsitzenden, welcher Arzt sein soll, und einem langjährig erfahrenen Richter. Die Gutachterstelle wird nicht tätig, wenn in dem Streitfall bereits eine zivilrechtliche Entscheidung beantragt oder ergangen ist. Sie muss das Verfahren aussetzen, solange ein staatsanwaltschaftliches Ermittlungsverfahren oder ein Strafverfahren in gleicher Sache anhängig ist.Die Gutachterstelle kann nicht nur von Patienten sondern auch von Krankenhausträgern angerufen werden.

 

Die Bestellung der Mitglieder der Gutachterstelle und deren Stellvertreter erfolgt durch den Vorstand der Sächsischen Landesärztekammer. Vorsitzender der Gutachterstelle an der Sächsischen Landesärztekammer ist seit 1992 Dr. med. Rainer Kluge.

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