Niedergelassene Ärzte wünschen sich mehr Zeit für ihre Patienten

14.06.2012

Der NAV-Virchow-Bund und die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) haben die Ergebnisse einer großen repräsentativen Ärztebefragung vorgestellt. Das Institut für angewandte Sozialwissenschaften infas interviewte für den sogenannten Ärztemonitor telefonisch rund 11.000 niedergelassene Haus- und Fachärzte sowie Psychotherapeuten. Der Ärztemonitor zeigt, dass trotz einer starken Arbeitsbelastung insgesamt eine hohe Arbeitszufriedenheit unter niedergelassenen Ärzten herrscht. Der Aussage "Meine Arbeit macht mir Spaß" stimmen 53 Prozent der Befragten "voll und ganz" und 40 Prozent "eher" zu. Nur 6 Prozent stimmen "eher nicht", 1 Prozent stimmt "ganz und gar nicht" zu. Die Zufriedenheitsaussagen sind bei Psychotherapeuten besonders ausgeprägt. "Ausgebrannt" fühlen sich dagegen 9 Prozent "voll und ganz", 20 Prozent stimmen dem "eher zu". 42 Prozent sagen, sie seien "eher nicht" ausgebrannt, bzw. 28 Prozent "ganz und gar nicht".

 

Die Arbeitsbelastung der Ärzte ist insgesamt hoch. Im Schnitt arbeiten Haus- und Fachärzte über 55 Stunden in der Woche. Dabei behandeln Fachärzte mehr als 40 Patienten am Tag, Hausärzte sogar mehr als 50.

 

Zwei von drei Ärzten gaben in der Befragung an, sie hätten nicht ausreichend Zeit für ihre Patienten. Von den durchschnittlich 55 Stunden Wochenarbeitszeit entfällt bei den Hausärzten etwas über die Hälfte der Zeit, nämlich 60 Prozent, auf Patientensprechstunden. Die Fachärzte können 62 Prozent direkt den Patienten widmen. Beruf und Privatleben sieht die Mehrzahl als nicht oder nur eingeschränkt vereinbar.

 

Trotz der schwierigen Rahmenbedingungen ist dieser Berufsstand im Großen und Ganzen ein durchaus zufriedener. Vor allem ist es einer, der seinen Selbstwert nicht nur aus materiellen Aspekten zieht, wie uns fälschlicherweise immer wieder vorgeworfen wird.

 

43 Prozent sind mit dem Einkommen unzufrieden. Es besteht offenbar ein enger Zusammenhang zwischen einer unzufriedenen Haltung und hoher Arbeitsbelastung, großen Patientenzahlen und nicht-kooperativer Praxisformen. Die Effekte der geänderten Honorarverteilung aus jüngster Zeit zeigten eine überdurchschnittliche Zufriedenheit der Befragten im Osten und eine etwas schlechtere Stimmung bei den Fachärzten.

 

Eine weitere Konsequenz der Befragung: Die Arbeitsbedingungen niedergelassener Ärzte müssen verbessert werden. Dazu zählt, dass Kooperationen attraktiver und die Ärztenetze gefördert werden. Heute arbeiten schon über ein Viertel der niedergelassenen Haus- und Fachärzte (26 Prozent bzw. 27 Prozent) in vernetzten Strukturen. Von den heute noch nicht vernetzten Ärzten kann sich mehr als die Hälfte vorstellen, sich in der Zukunft einem Ärztenetz anzuschließen.

 

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