Männergesundheit: Das Risiko ist jung, die Beschwerden alt

02.10.2013

Männer gehen lebenslang gesehen weniger häufig zum Arzt und sind auch seltener krank als Frauen. Aber sind sie deshalb auch gesünder? Im fortgeschrittenen Alter leiden Männer gesundheitlich häufiger und schwerer und die einzelne Krankheit dauert im Durchschnitt länger als bei Frauen. Am Ende ist die durchschnittliche Lebenserwartung eines Mannes rund fünf Jahre kürzer als die einer Frau. Das ergab der BARMER GEK Gesundheitsreport 2013. Der Report 2013 hat untersucht welche Leiden dem „Starken Geschlecht" in ausgewählten Altersgruppen besonders zu schaffen machen.


Verletzungen - Junge Männer leben riskant
Sind die Männer jung, rasen sie durchs Leben. Dabei geht es nicht ohne Blessuren. Für mehr als ein Viertel aller Krankschreibungen im Alter von 15-19 Jahren sind Verletzungen verantwortlich. Jeder fünfte erwerbstätige Mann dieser Altersgruppe war bundesweit mindestens ein Mal pro Jahr krankgeschrieben. Im Einzelfall dauerte die Krankschreibung durchschnittlich 16 Tage. Besonders häufig waren Kopf, Beine und Arme betroffen. In Sachsen leben junge Männer besonders riskant. Sie waren rund ein Tag länger als in anderen Regionen Deutschlands krankgeschrieben. Nur junge Männer aus Thüringen und Schleswig-Holstein übertreffen sie noch. Frauen dagegen hatten in dieser Altersgruppe nur halb so viele Verletzungen. Rund 30 Prozent waren Wege- und Arbeitsunfälle, 60 Prozent der Verletzungen ereigneten sich im privaten Umfeld, beim Sport oder in der Freizeit. Bei riskanter Lebensweise und psychischen Erkrankungen kann man durch Aufklärung viel bewirken. Bei Männern bleiben seelische Leiden oft unerkannt. Neben Verkehrsunfällen gehören Suizide in dieser Altersgruppe zu den häufigsten Todesursachen.


Männern im mittleren Alter den Rücken stärken
Bei den reiferen Männern nehmen die Beschwerden zu. Zuerst melden sich Muskeln und Knochen. Zunehmend schmerzt der Bewegungsapparat. In der Altersgruppe der 30-50 Jährigen sind diese Schmerzen für die meisten Fehlzeiten verantwortlich. Dabei meldet sich am lautstärksten der Rücken. Durchschnittlich jeder fünfte Mann in Deutschland hat so starke Schmerzen, dass er seiner Arbeit nicht nachgehen kann. Die Ausfallzeiten liegen bei rund 19 Tagen pro Behandlungsfall. Auch Frauen in dieser Altersgruppe spüren schmerzhaft ihren Rücken. Sowohl in der Häufigkeit der Krankschreibung als auch in der Länge der Arbeitsausfälle werden sie jedoch von den Männern übertroffen. Die sächsischen Männer haben insgesamt etwas mehr Probleme mit ihrem Muskel-Skelett-System als Männer im Bundesdurchschnitt. So kamen Männer in Sachsen auf rund 414 Fehltage, bundesweit aber nur durchschnittlich auf 394 Tage je 100 Versicherte. Der Anteil betroffener Männer mit Rückenschmerz allerdings lag im Bundesgebiet bei 24,1 Prozent, in Sachsen nur bei 21,6 Prozent.


Rauchen, Trinken, gutes Essen - Jugendsünden rächen sich jetzt
Männern in der Altersgruppe ab 51 Jahren machen zunehmend Herz und Kreislauf zu schaffen. Im Vergleich zu den Frauen erkranken sie schwerer und länger. Rasant steigt die Zahl der Krankschreibungen aufgrund von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Mehr als doppelt so viele Männer wie Frauen sind ab dem 55. Lebensjahr davon betroffen. Durchschnittlich dauerte eine Krankschreibung pro Fall länger als ein Monat (35 Tage). „Für rund ein Viertel aller Todesfälle bei Männern in dieser Altersgruppe sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen verantwortlich. Hier könnte Man(n) vorbeugen. Die ersten Anzeichen von Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen und erhöhten Blutzuckerwerten stellen sich schleichend ein und bleiben häufig noch längere Zeit unbemerkt. In der Regel fallen sie bei Routineuntersuchungen auf, wenn der Mann diese überhaupt nutzt. Denn Männer gehen bekanntermaßen ungern zum Arzt. So ist es nicht verwunderlich, dass auch Früherkennungsuntersuchungen lediglich von 11 Prozent der sächsischen Männer in Anspruch genommen wurden. Bei mehr als der Hälfte aller erwerbstätigen Männer in Deutschland wurden Hinweise auf Bluthochdruck, bei 33 Prozent Hinweise auf Fettstoffwechselstörungen und bei mehr als 12 Prozent Hinweise auf überhöhte Blutzuckerwerte festgestellt. Bereits einer dieser Risikofaktoren verdoppelt das Erkrankungsrisiko des Herzens.


Frauen weinen, Männer schweigen
Einen maßgeblichen Anteil an steigenden Ausfallzeiten in Deutschland, auch in Sachsen, haben psychische Leiden. Mit einer Dauer von über 40 Tagen pro Erkrankungsfall führen sie die Rangliste der Ausfallzeiten an. 9 Prozent davon lassen sich allein auf die Behandlung von Depressionen zurückführen. Hier sind die Frauen den Männern voraus. Auf einen behandelten Mann kommen statistisch gesehen zwei Frauen. Bei Männern äußert sich eine Depression oft anders als bei Frauen. Sie bleiben daher nicht selten unbemerkt. Frauen mit Depressionen teilen sich häufiger mit und zeigen beispielsweise durch Weinen ihre schlechte Verfassung. Männer ziehen sich hingegen eher zurück oder werden aggressiv und laut. Häufig ersetzen Computer, Alkohol oder auch Drogen für den Mann ein Gespräch. Auch liegen die Suizidraten bei den Männern höher.


Der Report entstand in Zusammenarbeit der BARMER GEK mit dem Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitsforschung (ISEG). Analysiert wurden einheitlich strukturierte pseudonymisierte Daten von Versicherten aus dem Jahr 2012. Bundesweit waren 3,6 Millionen Erwerbspersonen erfasst. Das entspricht 12 Prozent aller sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten in Deutschland. Speziell für Sachsen wurden die Daten von 149 Tausend Erwerbstätigen im Freistaat ausgewertet.

 

Den vollständigen Bericht finden Sie hier:

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