Europäischer Gesundheitskonsumenten-Index: Deutschland auf Platz 7 der europäischen Gesundheitssysteme

10.12.2013

Deutschland hat sich im jährlichen Vergleich der europäischen Gesundheitssysteme verbessert und ist von Platz 14 auf Platz sieben vorgerückt. In der Gesamtbewertung konnten 796 von insgesamt 1000 Punkten erreicht werden. Das geht aus dem europäischen Gesundheitskonsumenten-Index (EHCI - Euro Health Consumer) 2013 hervor, der sich unter anderem mit den Gesundheitsausgaben, der Vorsorge, der durchschnittlichen Aufenthaltsdauer in Krankenhäusern als auch mit den Wartezeiten von insgesamt 35 Ländern befasst. Mit 870 von 1000 Punkten belegen die Niederlande Platz eins, gefolgt von der Schweiz (Platz 2 mit 851 Punkten) und Island (818 von 1000 Punkten). Serbien (451 von 1000 Punkten), Rumänien (478 von 1000 Punkten) und Lettland (516 von 1000 Punkten) bilden das Schlusslicht der Gesamtbewertung, die sich aus öffentlichen Statistiken, Patientenumfragen und den Ergebnissen unabhängiger Forschung ergibt.

Patientenrechte und -information
Positiv bewertet wird in Deutschland insbesondere, dass das Medizinrecht auf Patientenrechten basiert und Patientenorganisationen in Entscheidungsprozessen miteinbezogen werden. Auch der Zugang zur eigenen Krankenakte und das Recht auf eine Zweitmeinung wurden von den Befragten hervorgehoben. Schlecht bewertet wurden hingegen verschuldensunabhängige Haftpflichtversicherungen etwa bei Kunstfehlern: So erhalten Patienten in Deutschland keine Entschädigung, ohne gerichtlich beweisen zu können, dass das medizinische Personal einen Fehler gemacht hat. Auch seien Patienten bei der Inanspruchnahme grenzüberschreitender Gesundheitsversorgung nicht frei in ihrer Entscheidung, da häufig Vorabgenehmigungen notwendig seien.

Wartezeiten
Im Hinblick auf die Wartezeiten wurde Deutschland überwiegend positiv bewertet. So könnten die Deutschen darauf zählen, innerhalb eines Tages einen Termin beim Hausarzt zu erhalten. Auch sei der direkte Zugang zu einem Facharzt ohne ärztliche Überweisung gewährleistet. Gut bewertet wurde auch, dass 90 Prozent aller größeren chirurgischen Eingriffe (z. B. bei koronaren Bypass-Operationen oder Kniegelenks- und Hüftgelenksoperationen) in weniger als 90 Tagen durchgeführt und der Beginn einer Krebstherapie innerhalb von weniger als 21 Tagen nach der Entscheidung für eine Therapie gewährleistet werden kann. Lediglich die Wartezeiten in Notaufnahmen - üblicherweise zwischen einer und drei Stunden - und die Wartezeit auf eine Computertomografie in nicht akuten Fällen (üblicherweise bis zu 21 Tagen) wurden als nicht zufriedenstellend bewertet.

Resultate
Bei der Säuglingssterblichkeit, der krebsbedingten Mortalität, der Behandlung von Depressionen und im Hinblick auf die geringe Zahl der Abtreibungen hat Deutschland eine positive Bewertung erhalten. Die auf Herz-Infarkte zurückzuführenden Todesfälle würden hingegen in Deutschland zu häufig vorkommen und auch die Anzahl der MRSA-Infektionen sei nicht zufriedenstellend.

Der Umfang und die Erreichbarkeit der angebotenen Dienstleistungen
Deutschland hat bei Umfang und Erreichbarkeit der angebotenen Dienstleistungen von acht Kategorien lediglich zwei positive Bewertungen erhalten. Eine schlechte Bewertung erhielt Deutschland insbesondere für die hohe Anzahl an Kaiserschnitten und die geringe Anzahl an Möglichkeiten, bei Patienten eine Dialyse auch außerhalb eines Krankenhauses durchzuführen.

Prävention
Die Möglichkeiten für Mädchen, in Deutschland kostenlos HPV-Impfungen zu erhalten, wurden im Bereich der Prävention als positiv bewertet. Der Zuckerkonsum in Deutschland als auch der weiterhin hohe Tabakkonsum wurden hingegen kritisch bewertet. Im Hinblick auf die Anzahl der über 25-jährigen Personen mit Bluthochdruck liegt Deutschland im Mittelfeld.

Arzneimittel
Eine insgesamt positive Bewertung erhielt Deutschland im Bereich der Arzneimittel. So sei der Einsatz neuer Arzneimittel zur Behandlung von  Krebs höher als in anderen Staaten und der Zugang zu neuen Medikamenten gut.

Ergebnis
Deutschland schneidet in der Studie, die von dem schwedischen Beratungsunternehmen „Health Consumer Powerhouse" durchgeführt wurde, gut ab. So müssten Patienten nicht lange auf einen Arzttermin oder eine Behandlung warten. Neben dem Zugang zur Versorgung sei auch die Arzneimitteldistribution gut. Schwächen zeige Deutschland laut der Studie insbesondere bei der Vorsorge. Dass Deutschland im vergangenen Jahr von Platz sechs (2009) auf Platz 14 abgerutscht sei, könne nach Ansicht des Beratungsunternehmens an den „recht negativen Antworten bei den deutschen Patientenorganisationen gelegen haben". In diesem Jahr scheine es hingegen so, als habe die Wirtschaftskrise nachgelassen und „die deutschen Patienten haben erkannt, dass die Dinge in Deutschland doch gar nicht so schlecht stehen".

Zu dem Europäischen Gesundheitskonsumenten-Index 2013 gelangen Sie hier:

Eine Zusammenfassung der Ergebnisse für Deutschland kann hier abgerufen werden:

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