Frauen glauben nicht an ihre faire Chance im Arztberuf

Umfrage des Hartmannbundes

21.05.2014

Unter der Fragestellung „Haben Frauen faire Chancen im Arztberuf" hat der Hartmannbund zwischen dem 28. April und 9. Mai 2014 rund 20.000 Medizinstudentinnen und Assistenzärztinnen nach ihren beruflichen Zielen, ihren Vorstellungen von Berufsausübung und nach der Einschätzung ihrer eigenen Karrierechancen gefragt. Die Antworten der rund 2.800 (!) Umfrageteilnehmer werfen einen eindrucksvollen Blick auf Erwartungen, erlebte Realität und ernüchternde Einschätzungen.

 

Das sind die zentralen Ergebnisse der Umfrage: Karriere nur unter Verzicht auf Kinder und Familie. Keine fairen Chancen gegenüber den männlichen Kollegen. Benachteiligt durch Teilzeittätigkeit. So sehen viele junge Frauen ihre Perspektiven im Arztberuf.

 

Fast jede zweite der rund 2.800 Umfrageteilnehmerinnen glaubt, für die Erreichung ihrer Karriereziele auf Kinder und Familie verzichten zu müssen. Und: Streben rund 50 Prozent der Befragten eine Position als Oberärztin oder Chefärztin an, so sind gleichzeitig zwei Drittel von ihnen davon überzeugt, dass sie nicht die gleichen Chancen auf eine erfolgreiche Karriere haben wie ihre männlichen Kollegen. Ein Blick auf Details der Umfrageergebnisse offenbart entscheidende Kernprobleme: Benachteiligung durch Teilzeitarbeit - kombiniert mit noch immer nicht überwundenem Rollendenken und verkrusteten Strukturen.

 

Noch immer mangelt es an flexiblen Arbeitszeitmodellen und arbeitszeitkompatiblen Kinderbetreuungsangeboten. Und nach wie vor verhindern zu oft hierarchische Strukturen notwendige Veränderungen, kritisieren die befragten Frauen. Nur sieben Prozent von ihnen bescheinigen ihren Arbeitgebern und Ausbildungsstätten, sie hätten die Bedeutung einer besseren Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Privatleben in ausreichendem Maß erkannt und entsprechend darauf reagiert.

 

Die Dimension der Herausforderung, die sich hinter diesen Defiziten verbirgt, verdeutlichen zwei weitere Zahlen: Rund 90 Prozent der jungen Frauen können sich grundsätzlich vorstellen, ihre ärztliche Tätigkeit - zumindest phasenweise - in Teilzeit auszuüben. Nur rund ein Drittel von ihnen allerdings glaubt, dass dies kein Karrierehindernis darstellt; neun von zehn Befragten bewerten das Thema Teilzeitbeschäftigung noch immer als eine besondere Herausforderung für Frauen. Reinhardt sieht deshalb nicht nur Arbeitsgeber und Politik gefordert. „Um Frauen wirklich gleiche Karrierechancen innerhalb der ärztlichen Laufbahn zu gewährleisten, braucht es auch ein anderes Rollendenken in der Partnerschaft und mehr Akzeptanz für Männer, die sich für Vaterschaftsurlaub und Teilzeit entscheiden". Dafür sprechen auch zahlreiche Kommentare, die den Hartmannbund im Rahmen der Umfrage erreichten. „Wir brauchen Frauen, die durchsetzen, dass ihre Partner mindestens ebenso viel Familienarbeit leisten", brachte es eine Teilnehmerin auf den Punkt.

 

Die Ergebnisse der Umfrage finden Sie hier: 

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