Marburger Bund fordert zehn Prozent mehr Medizinstudienplätze

Positionspapier zur Reform des Medizinstudiums

23.02.2015

Fünfmal so viele Bewerber wie Studienplätze im Fach Humanmedizin - diesem krassen Missverhältnis soll die Politik mit einer deutlichen Erhöhung der Medizinstudienplätze um mindestens 10 Prozent begegnen, fordert der Marburger Bund in einem aktuellen Positionspapier zur Reform des Medizinstudiums. Die Erhöhung könne durch größere Kapazitäten bestehender medizinischen Fakultäten, aber auch durch die Gründung neuer Fakultäten öffentlicher Hochschulen gewährleistet werden. 1990 gab es noch 16.000 Studienplätze pro Jahr. Derzeit werden pro Jahr etwa 10.600 Studierende zum Medizinstudium zugelassen. Diese Anzahl reiche mit Blick auf den Altersdurchschnitt der Ärzte und dem wachsenden medizinischen Bedarf in der Bevölkerung nicht aus.
 
Vor der anstehende Diskussion von Bund und Ländern zum "Masterplan Medizinstudium 2020" mahnt der Marburger Bund zugleich eine bessere Grundfinanzierung der Hochschulmedizin an. Kritisch sieht der MB die bisherige Studienplatzvergabe im Fach Humanmedizin, die durch einen stark gestiegenen Numerus Clausus und eine zunehmende Zahl von Wartesemestern gekennzeichnet ist. Zwar sei die Abiturnote als Auswahlkriterium aus juristischen Gründen nicht verzichtbar, sie dürfe aber nicht als Indikator für den Studienerfolg überschätzt werden und sollte insgesamt weniger Gewicht bei der Studienplatzvergabe haben, als das an manchen Hochschulen derzeit noch der Fall ist.
 
Die im Koalitionsvertrag angekündigte stärkere Praxisorientierung in der Medizinerausbildung unterstützt der Marburger Bund ausdrücklich. Die Politik müsse dabei aber im Blick haben, dass Veränderungen, wie sie durch die letzte Novelle der ärztlichen Approbationsordnung angestoßen wurden, Zeit brauchen. Die Einführung von weiteren Pflichtabschnitten ist ungeeignet und wird von den Medizinstudierenden abgelehnt. Auch die Erfahrungen aus den verschiedenen Modell- und Reformstudiengängen, die in den kommenden Jahren auslaufen und momentan evaluiert werden, müssten in die Überlegungen zur Reform des Medizinstudiums einfließen, fordert der Marburger Bund in seinem Positionspapier.

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